Zornige Landwirt:innen, tausende Traktoren in Innenstädten, auch im heimischen Raum, und ganz viel Wut auf die Ampelregierung – der Proteststurm, den die Bundesregierung durch die Kürzungen im Landwirtschaftsetat entfacht hat, beherrscht die Berichterstattung in den deutschen Medien.
Durch diese Entscheidung aufgeschreckt, entlud sich auch der Protest des örtlichen Landwirts Peter Hofmann, den er als Brief formuliert u.a. an die Sinner Grünen verschickte. Unter dem Motto „besser miteinander als übereinander reden“ kam es daher zu einem Treffen auf seinem Hof, um die Thematik einmal vor Ort zu besprechen. Zugegen waren neben den Gastgeber:innen der Familie Hofmann unsere Vertreter:innen Andrea Biermann, Joachim Horst, Marco Olivieri, Arno Seipp und Rainer Staska.
Obwohl martialisch mit den für den Protest vorbereiteten eigenen Fahrzeugen empfangen (u.a. „Make farming great again“, „Die Ampel muss weg“), kam es letztlich doch zu einem konstruktiv-kritischen Austausch, in dem die jeweiligen Positionen artikuliert und fair miteinander diskutiert wurden.
Nachdem Seniorchef Peter Hofmann seine Bedenken zu den auf Bundesebene gefassten Beschlüssen geäußert hatte, erläuterten die mittlerweile den Hof übernommenen „Jungbauern“ Jan Louis und Jonas Hofmann die Ausrichtung des einzigen Sinner landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetriebes, ihre Arbeitszeiten, ihre aktuelle finanzielle Situation, wobei auch die nötige Subventionierung durch EU, Bund und Länder angesprochen wurde. Schnell waren sich die Grünen und die Landwirte einig, dass die Rücknahme der Kraftfahrzeugsteuer für die Agrarindustrie sinnvoll ist, da sie nicht nur auf die steuerliche Belastung, sondern auch auf die Arbeitsplätze, Führerscheine usw. negative Wirkung hätte.
Bezüglich des Agrardiesels gingen die Meinungen allerdings auseinander. „Für unseren Hof bedeutet das eine jährlich Mehrbelastung in Höhe eines mittleren vierstelligen Kostenbereichs, erläuterte Peter Hofmann. Ziel der Grünen bleibt allerdings die Reduzierung der fossilen Betriebsstoffe. „Wir halten an einem sukzessiven Abbau dieser Subvention fest, die Bauern werden merken, dass auch sie der Klimakrise, dem Verlust der Artenvielfalt ausgesetzt sind, und hier Zeichen gesetzt werden müssen.“
Die Grundlagen der Landwirtschaft für die Zukunft kann aus Sicht der GRÜNEN aber anders erhalten werden und wird sicher nicht über die Agrardieselsubvention entschieden, sondern über die konkrete Gestaltung der notwendigen Transformation. Und dazu sind faire Preise, gute Bezahlung für anspruchsvolle Arbeit, für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Tierschutz, mit möglichst direkter regionaler Vermarktung geeignet. Wenn das der Bauernprotest bewirkt, haben alle gewonnen. Und dann hat auch der örtliche Landwirt eine gute Zukunftsperspektive.
Hier braucht es aus Sicht der örtlichen GRÜNEN klare, durchdachte Strategien und keine Schnellschüsse, wie wir sie aktuell auf Grund der nötigen Sparauflagen in mehreren Bereichen auf Regierungsebene erleben, die übrigens nicht nur auf die Politik der GRÜNEN zurückführbar sind. Das wollen die Sinner Grünen in einem Gespräch mit der jetzt ehemaligen hessischen Umweltministerin, Priska Hinz, vertiefen und in einem entsprechenden Brief an den Bundesvorstand einfordern. Und natürlich wollen Landwirte und Grüne vor Ort auch weiterhin im Austausch bleiben.

v.l.n.r. Arno Seipp, Jan Louis und Jonas Hofmann, Andrea Biermann, Marco Olivieri


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